| Frank von Sicard Volksschule St. Georgen - Hauptschule 7. - 8. Klasse, 14 - 15 Jahre |
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| Sitzmöbel aus Wellpappe | |||||
Ausgangspunkt In unserer Schulaula fehlt eine Bestuhlung. Eine Firma, die Wellpappe verarbeitet, ist nur 2 km von der Schule entfernt. Passt das zusammen? Planung Die Schüler sollten Ideen zur Bestuhlung der Aula entwickeln, Modelle entwerfen, umsetzen und erste Prototypen bauen. Für den anvisierten Projekt-Zeitraum von zwei Jahren musste nun eine langfristige Planung erstellt werden, um die Begeisterung der 14-15jährigen Schülerinnen und Schüler aufrecht zu erhalten. Der Kunstunterricht wurde für unser Projekt „Stühle aus Wellpappe für die Aula“ durch die Fächer Arbeitslehre und GTB, Gewerblich Technischer Bereich - zwei typische Hauptschulfächer - fachübergreifend bereichert. Es zeigte sich, dass der Themenbereich Innenarchitektur, Möbeldesign auch Hauptschüler neugierig macht und zu eigenem Tun anregt. Ideensuche Um Anregungen zu finden, suchten wir im Internet. Dabei stießen wir nicht nur auf die Möbelentwürfe von Architekturstudenten, sondern auch auf die beeindruckenden Wellpappemöbel des Stararchitekten Frank O'Gehry, der in den sechziger Jahren Wellpappe als Material für Gebrauchsmöbel hoffähig gemacht hatte und dessen Sessel jetzt in Designmuseen zu bewundern sind. Zeichnungen Technisches Zeichnen ist ein Teilgebiet des Faches GTB in der Hauptschule. Dabei erlernen die Schüler den Umgang mit der Zeichenplatte und bekommen auch einen Einblick in CAD (Computer Aided Design). Im Kunsterziehungslehrplan der achten Jahrgangsstufe ist eine Einführung in die Zentralperspektive vorgesehen. Nach ersten Freihandskizzen konnten die Modelle der Schüler sowohl als Dreitafelbild (Grundriss, Vorderansicht, Seitenansicht) als auch als dreidimensionale Raumbilder in Isometrie, Dimetrie und Zentralperspektive gezeichnet werden. Material und Werkzeug Wellpappe ist ein ideales Material, es ist federleicht, einfach zu bearbeiten und doch relativ stabil. Als Werkstoff für unsere Modelle im Maßstab 1:5 und 1:10 verwendeten wir 4 mm dicke einlagige Wellpappe und 1 mm starke Mikrowellpappe. Für die Prototypen im Maßstab 1:1 benutzten wir 1 cm starke dreilagige Wellpappe. Unser Sponsor, die „SCA-Packaging“, Werk Traunreut, stellte uns die nötige Pappe in großen Mengen kostenlos zu Verfügung. Arbeitsgeräte für den Modellbau waren Passepartoutmesser, Geodreieck und Bleistift. Geklebt wurde mit Uhu-hart und Ponal express. An den großen Prototypen arbeiteten wir zusätzlich mit großem Stahllineal, Schreinerwinkel, Stichsäge und Bandschleifer. Betriebserkundung Eine Betriebsbesichtigung bei unserem Material-Sponsor, der Firma „SCA-packaging“, Werk-Traunreut, war für die Schüler sehr eindrucksvoll. Der Konzern beschäftigt weltweit 42.000 Mitarbeiter in 40 Ländern. Der Betrieb in Traunreut ist mit 75 Mitarbeiten im Verhältnis dazu winzig und stellt in erster Linie Faltschachteln her. Im Entwicklungsbüro konnten wir sehen, wie eine Musterverpackung vom computergesteuerten Schneideplotter ausgeschnitten und gefalzt wurde. In der Produktionsstraße holen Gabelstapler ganze Paletten von Wellpappplatten aus dem Lager und legen sie auf ein Förderband an der Stanze. Die fertigen Schachteln bleiben flach zusammengelegt liegen und werden auf großen Paletten zusammengeschnürt in die Lagerregale gebracht. Modellbau Ein wichtiger Teil der Arbeit, war der Modellbau. Hier konnte eher spielerisch alles ausprobiert werden, denn bei den Modellen kam es noch nicht auf die Stabilität an. Unser Arbeitseifer war groß und schnell waren die ersten Prototypen aus Wellpappe gebaut. Wurde Material verschnitten, war das nicht weiter schlimm, denn Wellpappe wird zu hundert Prozent wieder recycelt. Mit Klebstoff und Schaschlikstäbchen gelang es, instabile Konstruktionen zu stabilisieren. Die Schüler erkannten bei dieser Arbeit bereits die Probleme der Statik und lernten, dass sehr exakt und präzise geschnitten und geklebt werden muss, um ein funktionstüchtiges Modell herzustellen. Innenarchitekt Georg Brüderl, Werkstätten für Innenausbau, stand uns mit seiner Erfahrung hilfreich zur Seite. Prototypen Die Prototypen wurden in Gruppen- bzw. Partnerarbeit hergestellt. Dazu vergrößerten wir unsere Modelle um das Zehnfache. Für gleiche bzw. ähnliche Teile stellten wir Schablonen her. Einige Prototypen sind nur gesteckt und lassen sich leicht transportieren. Zum Schluss unterzogen wir unsere Stühle einer Belastungsprobe. Sechs Schüler auf einem Sessel: „Wir hätten nicht gedacht, dass Pappe so viel aushält!“ lautete der Kommentar. Zumindest für einen Sessel haben wir einen genauen Konstruktionsplan zum Nachbauen gezeichnet, der bei uns erhältlich ist und unter der E-Mailadresse vs_st_georgen@t-online.de angefragt werden kann. Dokumentation Eine Broschüre und eine Power-Point-Präsentation wurde von den Schülern aus Text und Bildern zusammengestellt. In einer Ausstellung in der Schule präsentierten wir unsere Stuhl-Prototypen, Modelle, Zeichnungen und Fotos; die örtliche Presse, Rundfunk und Fernsehen berichteten über das Projekt. Die Projektidee und Umsetzung hatte viel Anklang gefunden und die Schüler wollen nun nicht nur Papphocker, sondern stabilere und bequemere Pappsessel zur Bestuhlung der Aula bauen. |
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