Klaus Reisacher
Gymnasium Lindenberg
12. - 13. Klasse, Kunst Leistungskurs, 17 – 19 Jahre

Auf dem Schulweg bei St. Petersburg vorbei

Der Name für das Architekturprojekt des Lindenberger Gymnasiums wurde von einem ursprünglich in der Nähe der Schule befindlichen, idyllisch gelegenen Gartenhaus adaptiert. Im Jahr 1920 von einer lokalen Berühmtheit, dem Bankier Oskar König gebaut, war dieses Gartenhäuschen für Schülergenerationen der Markstein auf dem Schulweg. Die für unsere Region seltene Tulpenform des rostroten Daches inspirierte die Schüler zum Spitznamen „St. Petersburg“.

2001 sollte das geliebte Gartenhaus dem Bau von Eigentumswohnungen weichen. Dem Engagement der Schule ist es zu verdanken, das es mittels hoch spezialisierter Umsetzung auf unbebautes städtisches Gelände nahe der Schule gerettet wurde. Hier befindet es sich nun seit diesem Jahr offiziell und steht der Schule zur Einbindung in den Unterricht zu Verfügung.„St. Petersburg“ war im Fach Kunsterziehung idealer Ausgangspunkt für kleinere Architekturexkursionen und Betrachtungen: phantastische Architektur in der Unterstufe, Naturstudien in der Mittelstufe, perspektivisches Zeichnen, Anfertigung von Kleinmodellen und Diskussionen zu architektonischen Themen wie Denkmalschutz und Stadtplanung in der Oberstufe.

Arbeiten für ein Haus mit vielen Gesichtern

Höhepunkt unserer Projektarbeit zu transform 2 r.a.u.m. sind die Facharbeiten mit praktischem Schwerpunkt, die im Leistungskurs Kunst entstanden sind. Zum einen gestalteten die Kollegiaten das Gartenhaus planerisch als eine Kapelle in Anlehnung an Gaudi oder beschäftigten sich mit einer Nutzungsänderung des Hauses in eine Bar mit dem Thema Jahrhundertwende. Fächerübergreifend wurde das Häuschen „St. Petersburg“ in einen Schulgarten integriert, der die europäische Gartengeschichte im Kleinen reflektiert.

Eine engagierte Schülerin versuchte den Garten des St. Petersburger Häuschens an Feng Shui Regeln angelehnt zu gestalten. Diese Arbeit ist hinsichtlich des Teamgedankens innerhalb von transform 2 r.a.u.m. besonders hervorzuheben, da die Schülerin an einer Informationsveranstaltung unserer transform 2 r.a.u.m. Teamkollegin Eva-Sibylle Klein teilnehmen konnte, die an ihrem Gymnasium das eigene Schulhaus nach Feng Shui Richtlinien analysiert und punktuell umgestaltet. Hier erhielt die Schülerin eine erste Orientierungshilfe zu diesem äußerst komplexen Thema. Weitere Arbeiten beschäftigten sich mit der am Gartenhaus vorgefundenen Grundformen und Konstruktion.

Modellbau und Recherchen führen zu Ergebnissen

Die Kritikfähigkeit der Schüler gegenüber ihrer architektonischen Umgebung wurde durch die Arbeit am Architekturmodell praktisch geschult. Anstrengende, zeitraubende, oft sicher auch zum Verzweifeln bringende Kämpfe mit Modellbau und Detailarbeiten sowie aufwendige Recherchen zu unterschiedlichen architektonische Themen für die Ausarbeitung von Referaten hatten am Ende ein konkretes Ergebnis hervorgebracht. Die Schüler berichteten in diesen Vorträgen Lehrern und Schulkameraden anderer Klassenstufen über ihre Beschäftigung mit Architektur. Es bleibt zu hoffen, dass das „St. Petersburger“ Gartenhäuschen, zurzeit noch versteckt hinter einem Absperrzaun, zur Bereicherung von Schule und Schulleben in die Gesamtanlage der Schule integriert wird. Die kreativ wohldurchdachten und intensiv geplanten Anregungen der Schüler sollen in die weitere Gestaltung und Benutzung mit einfließen.

Fazit: transform 2 r.a.u.m. schult nicht nur das Auge des Kunsterziehers

Das Fortbildungsprojekt transform 2 r.a.u.m. hat in mehrerlei Hinsicht positiv gewirkt: Zum einen schulte das fachliche Angebot der unterschiedlich ausgerichteten Veranstaltungen das Auge des Kunsterziehers, machte auf unbekannte Themen aufmerksam und weckte architektonisches Interesse. Dieses Interesse wirkte sich auf die gewählten Schwerpunkte im Unterricht aus, führte zu theoretischen und praktischen Arbeitsaufträgen aus dem Bereich der Architektur und Architekturgeschichte, die wiederum von den Schülern begeistert aufgenommen und umgesetzt wurden.

Das kollegiale Umfeld von transform 2 r.a.u.m. erzeugte einen regen Meinungsaustausch über den Stellenwert von Architektur im Unterricht und die Möglichkeiten unseres Faches und des Kunsterziehers, Architektur, Bauen und Planen als gestalterisches Potential zu integrieren.