Situationsbeschreibung
Der Pausenhof der Staatlichen Realschule für Knaben ist ein leerer, geteerter, rechteckiger Platz, der an drei Seiten von Schulgebäuden und an der vierten Seite von Bepflanzungen umgeben ist. Dieser Pausenhof verfügt weder über Sitzgelegenheiten, noch bietet er andere Erlebnis- oder Aufenthaltsqualitäten für die Schüler.
Bei den Schulgebäuden handelt es sich um reine Funktionsbauten aus den 60er Jahren.
Aufgabenstellung für die 10. Klasse im Fach Kunsterziehung
Durch die sensible Einfügung eines kleinen Unterstandes, eines Pavillons, soll den Schülern ein architektonisch definierter Treffpunkt, ein Platz zum Verweilen oder auch Raum für schulische Aktivitäten geboten werden. Als Entwurfskriterien für diese Aufgabenstellung wurden gestalterische und technische Aspekte festgelegt: Schaffung von überdachtem Raum und Sitzgelegenheiten, proportionale und gestalterische Einfügung in die Gesamtsituation, Verbindung von Innen- und Außenraum durch das Gebäude, Transparenz und Leichtigkeit sowie Erfüllung der statischen Anforderungen durch die konstruktive Gestaltung.
Arbeitsschritte
Als erste Kontaktaufnahme mit dem Themenbereich Architektur wurde eine Exkursion durch die Stadt Rosenheim unternommen und so vor Ort eine direkte Auseinandersetzung mit der regionalen zeitgenössischen Architektur initiiert. In den darauf folgenden Unterrichtsstunden referierten eine Architektin und ein Landschaftsarchitekt sehr anschaulich über das Berufsfeld „ Architekt “ und über die Thematik „Platzgestaltungen“.
Nach dieser Einführung begannen die Schüler mit der Erstellung von eigenen Ideenskizzen und Arbeitsmodellen für einen Pavillon. Diese Arbeitsphase wurde begleitet von einem Workshop unter der Leitung von zwei sehr engagierten Diplomanden der FH Rosenheim zum Thema „Innovativer Holzbau“.
Die Arbeitsmodelle unserer Schüler wurden überarbeitet und schließlich in richtige Wettbewerbsmodelle im Maßstab 1: 50 mit den entsprechenden Materialien und maßstabsgerechten Planzeichnungen umgesetzt, um sie einer Jury zur Begutachtung vorzustellen. Die Jury bestand aus der Schulleitung, einem Architekten, einem Vertreter des Schul- und Sportamtes, Vertretern des Schulforums, Vertretern des Elternbeirates sowie dem Schülersprecher und der Kunsterzieherin. Sie wählte unter den vielen kreativen Schülerarbeiten den zu realisierenden Entwurf aus. Der betreuende Architekt BDA Walter Stolz und der Erbauer des Siegermodells Tobias Tita bearbeiteten gemeinsam die Ausführungsplanung für den Pavillon. Gleichzeitig wurden Gespräche mit dem zuständigen Schul- und Sportamt hinsichtlich der Baugenehmigung, Finanzierung sowie der Bausicherheit- und Abwicklung geführt.
Realisierung (Mai bis Juli 2002)
Als erstes wurde durch die Arbeiter des Bauhofes der Stadt Rosenheim die Teerdecke des Pausenhofes aufgeschnitten und Fundamente für die Stützen des kleinen Bauwerkes erstellt. Ein Granitkleinsteinpflaster in den Ausmaßen von 6 x 6 Metern wurde verlegt und definiert die Bodenzone des Pavillons. Nun begann für die Schüler der interessanteste Teil des Projektes: Mit großem Engagement und Freude an der handwerklichen Arbeit fertigten sie selbst unter Anleitung in einer Zimmerei die einzelnen Holzbauelemente des Pavillons. Es war ein weiteres, eindrucksvolles Erlebnis für sie, die Einzelbauteile im Schulhof zusammenzufügen und den Pavillon schließlich aufzustellen. Gerade noch rechtzeitig, am letzten Schultag dieser 10. Klasse, konnte die Hebfeier stattfinden und der Pavillon, sozusagen als Abschiedsgeschenk der Klasse 10 d, an die verbleibenden Schüler der niedrigeren Jahrgangsstufen übergeben werden. Der Pavillon ist seitdem der beliebteste Treffpunkt im Pausenhof.
Realisierte pädagogische Ziele
Die Teilnahme an diesem Projekt sensibilisierte die Schüler in besonderem Maße für architektonische Grundfragen und die Auseinandersetzung mit ihrer gebauten Umwelt.
Sie lernten dabei unmittelbar die Zusammenhänge funktionaler und ästhetischer Elemente kennen und gewannen einmalige Einblicke und praktische Erfahrungen in planende und ausführende Berufe der Baubranche. Das Projekt verschaffte den Schülern die Gelegenheit, die Aufenthaltsqualitäten innerhalb ihres Schulbereiches selbst positiv mitzugestalten .
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